Autorenleben

Autoren und natürlich auch Autorinnen führen ein 'easy' Leben, so heisst es allgemein. Nachdem bis in die frühen Morgenstunden fleissig in die Tastatur gehauen wurde, beginnt der Tag für sie, wenn die normal arbeitende Bevölkerung bereits zum Mittagessen schreitet. 

Dann wird erst einmal ausgiebig Kaffee getrunken und die Tageszeitung nach neuen möglichen Themen für den nächsten Bestseller durchforstet. Danach geht es, wenn das Wetter es zulässt, ins nächste Café. Weil draußen sitzen, vorzugsweise unter schattenspendenden Lindenbäumen, da bekommt die Kreativität einen ganz anderen Stellenwert. Die Gedanken fliessen, ebenso der Stift, der gefühlvolle Worte in die Kladde kritzelt. 

 

Mein Autorenleben schaut etwas anders aus. Erstens schreibe ich nicht bis in die frühen Morgenstunden und zweitens brauche ich keine Lindenbäume für meine Kreativität. Doch ich habe auch meine Rituale und die pflege ich. Zum Beispiel brauche ich zum Einstieg Musik. Je nach Szene Bach, Beethoven oder Mozart, aber auch Kuschel- oder Hardrock ist nicht selten dabei. 

Wenn mein Kopf voller Musik ist, dann erst fahre ich den Computer hoch und lasse meine Finger über die Tastatur fliegen. 

Meine Schreibphasen sind entweder am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Wenn es gut läuft, dann können es gut und gerne sechs bis sieben Stunden sein. Wenn nicht, dann quäle ich mich nicht vor dem flimmernden Bildschirm, dann ist das eben so. 

Doch es gibt auch Zeiten, da schreibe ich nicht. Kein Wort. Dann lümmle ich auf der Couch, fahre in die Stadt und treffe mich mit Freundinnen zum Tratschen. Oder ich schnipple Gemüse für das Mittagessen, werkle im Garten oder male. 

Solches passiert meistens dann, wenn etwas in meiner Geschichte nicht stimmt, nicht vorwärts geht, stolpert. 

Im Moment bin ich in der Lümmel-Phase, aber ganz langsam löst sich der Knoten in meinem Kopf.

(Februar 2017)

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J wie Januar

Zum Glück ist dieser Januar bald vorüber. Die Festtage sind vorbei, die Bäuche gefüllt, der Champagner getrunken, der große 'Hang over' ist angekommen. Die Tage sind kurz und dunkel, die Nächte lang und kalt, die Dordogne fällt in den sprichwörtlichen Winterschlaf. Keine Feste, alle Energie wurde im Dezember verpufft.

Detox (Entgiftung) ist nun angesagt. So trinkt männiglich Kräutertee und andere Elixiere, die den Körper wieder mitmachen sollen. 

Auch ich habe mich in meinen Kokon zurückgezogen. Schreiben, Malen und Fotos, die schon lange unbearbeitet auf meinem Computer liegen, und endlich bearbeitet werden sollten, bestimmen meinen Tagesablauf. Ausser .... einer Einladung. Ein jährliches Ritual, das sich seit zehn Jahren eingebürgert hat, der Suppenabend. Und alle kommen und genießen. Es ist ein einfaches Mal. Suppe, Brot und Wein. Man sitzt zusammen und die Suppe wärmt Körper und Seele. 

Der Februar steht in den Startlöchern, die Tage werden wieder länger und die ersten Frühblüher strecken schon neugierig ihre Köpfe hervor. Der Frühling ist nicht mehr weit. 

(Januar 2017)


Jahresrückblick 2016

Im Januar, Februar und März war Schreiben an meinem Manuskript, das inzwischen bei einem Verlag auf der Warteliste liegt, angesagt. 

Nachdem ich 'Ende' unter das Rohmanuskript geschrieben habe, musste ich etwas anderes sehen. Was lag näher, als wieder einmal nach Paris zu fahren. Dabei habe ich 'zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen' und nebst Bummeln auch den 'Salon du Livre' besucht. 

Einmal im Jahr muss der Atlantik sein. In diesem Jahr war Arcachon an der Reihe. Ein hübscher Badeort, der in den Sommermonaten hoffnungslos übervölkert ist. Doch im Mai hat man den Strand und die Stadt noch fast für sich. (Hafen von Arcachon)

Ab Mitte Juni hatte sich die Regenperiode endlich verzogen und der Sommer hielt Einzug und damit auch die Festivitäten, wie Grillparties, Jazz Abende (von denen gibt es viele hier), Ferienbesuche aus Nah und Fern. Juli und August können ganz schön in Atem halten.

Dazwischen immer wieder Besuche in Bordeaux. Eine knappe Stunde mit dem Auto, und ich bin mittendrin, im urbanen Leben. 

Und noch etwas das zum Sommer gehört, die Sonnenblumen.  In diesem Jahr gab es besonders viele. Ganze Felder in strahlendem Gelb lagen mir zu Füßen. 

Im September und Oktober wird es auf den Weingütern hektisch. Die Lese beginnt. Ganze Heerscharen von Helfern bevölkern die Umgebung von St. Emilion, tummeln sich zwischen den Weinstöcken und schneiden die Traubendolden (von Hand). In den weniger noblen Weingegenden wurde der Mensch durch die Maschine ersetzt.

Berlin, ick liebe dir. Ja das tu ich, und deshalb zieht es mich immer wieder in diese Stadt. Und seit einem Jahr ist es ganz easy nach Berlin zu fliegen ... ach das habe ich ja in meinem letzen Blog schon erzählt. Das war im November. 

Eine neue Geschichte entsteht. Ich beende das Jahr so wie ich es begonnen habe. 

Das ist ein kleiner Einblick in mein Jahr 2016. Ich denke, dass es für mich ein gutes Jahr gewesen ist. Und nun blicke ich neugierig, aber auch voll Zuversicht in das Neue. Was wird es mir bringen? 

Ich wünsche Euch frohe Festtage. Genießt sie im Kreise von Euren Lieben.

 Dezember 2016


Landei trifft auf Grossstadt

Manchmal zieht es mich in die Ferne, manchmal muss ich mir Grossstadtwind um die Nase wehen lassen. Und mit Grossstadt meine ich eine richtig große Stadt. 

Dieses Mal war Berlin angesagt. Easy, denn seit letztem Jahr fliegt die Easy Jet von Bordeaux direkt nach Berlin. Der mühsame Umweg mit Umsteigen in Paris, auf dem absolut unmöglichen Flughafen Charles de Gaules, ist nicht mehr notwendig. 

Um vier Uhr früh geht es los in Richtung Flughafen. Zusammen mit sehr vielen Lastwagen kämpfe ich mich durch dichten Nebel, doch nach zwei Stunden ist das Abflugziel erreicht. 

Berlin scheint auch bei den Franzosen eine beliebte Stadt zu sein, das Flugzeug ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. 

Nach zwei Stunden Flug bin ich Schönefeld gelandet und die S-Bahn bringt mich in die Stadtmitte, wo ich eine Wohnung gemietet habe. Wohnung deshalb, weil - eine Marotte von mir - ich es nicht länger als drei Tage in einem Hotel aushalte und mein Berlinaufenthalt für eine Woche geplant ist. 

Der erste Tag ist einem Besuch bei 'Dussmann' dem Kulturkaufhaus gewidmet. Ein Kaufhaus voller Bücher. Wenn ich in Berlin bin, dann bin ich jedes Mal dort anzutreffen. Schmökern, Abtauchen und die Welt vergessen. 

In Frankreich gibt es zwar auch Buchläden, ein ziemlich großer sogar in Bordeaux, doch deutschsprachige Titel sind praktisch keine zu finden. 

Am Tag darauf ist ein Museumsbesuch angesagt. Auch das ein Ritual, das jedes Mal stattfindet, wenn ich diese Stadt besuche. Dieses Mal ist der 'Hamburger Bahnhof - Museum der Gegenwartskunst' an der Reihe. Eine Ausstellung über Ernst Ludwig Kirchner, Kopf der expressionistischen Künstlergruppe 'Brücke', der zu den prägenden Künstlern der klassischen Moderne gehörte. Siebzehn Bilder mit den entsprechenden Skizzen, aus denen die Bilder entstanden sind, wurden gezeigt und haben meinen Kunsthunger befriedigt. 

Das Sony Center mit seiner extravaganten Architektur, der Potsdamer Platz, den ich noch aus der Zeit vor dem Mauerfall erlebt habe, überhaupt, die Veränderungen die diese Stadt in den letzten Jahren erfahren hat, überwältigt mich jedes Mal wieder aufs Neue. 

Ich habe Freunde, die ich bei meinem letzten Berlinbesuch kennengelernt habe,  wieder getroffen. Wir haben Curry Wurst gegessen, beim 'Fassbinder & Rausch, einem Chocolatiers am Gendarmenmarkt heisse Schokolade getrunken, (sehr lecker),  im Nikolai Viertel die Eckkneipen unsicher gemacht. Buletten mit Bratkartoffeln, Sülze mit Bratkartoffeln oder Sauerbraten mit Rotkohl, die Auswahl war riesig. 

Wieviele Kilometer ich in dieser Woche zurückgelegt habe weiß ich nicht, ich habe aufgehört sie zu zählen. 

Nach einer Woche hatte ich genug Grossstadtluft geschnuppert. Ich habe viele neue Eindrücke in meinem Kopf gespeichert. Schöne, aber auch weniger schöne, die man leider in jeder Stadt antrifft.

Nun hat mich das Landleben und die Langsamkeit wieder. 

(November 2016)

 

 

 


Frankfurter Buchmesse 2016

Zum zweiten Mal habe ich diese Messe aller Buchmessen besucht und einmal mehr war ich erschlagen. Bücher, Bücher, Bücher!

In diesem Jahr wollte ich tiefer in diese Bücherwelt eintauchen und habe mir deshalb im Vorfeld ein straffes Programm auferlegt. 

Akribisch habe ich mir notiert, welche Vorträge und welche Verlage ich mir anhören, respektive ansehen wollte. Ich wollte auch in Erfahrung bringen, in welche Richtung sich die Genre's bewegen. Sind es immer noch Krimis und Thriller, oder ist der amerikanische Trend der 'Young Adult's' schon in Europa angekommen. 

Ich bin zu keinem hundertprozentigem Ergebnis gekommen, doch Krimis und Thriller sind immer noch in den ersten Rängen zu finden. Aber die anderen Genre's, so scheint mir, holen gewaltig auf. Und das ist auch gut so. Jede Leserin und jeder Leser kann sein 'Buch' finden und in eine andere Welt eintauchen.

Am Donnerstag, kurz nach zehn Uhr betrat ich die heiligen Hallen der Bücher. Die Wege sind immer noch lang - zum Glück gibt es Laufbänder - so dass man die Füße etwas schonen kann. 

In den Hallen herrschte noch kein Gedränge und die Verlagsleute hatten Zeit und ein offenes Ohr für meine Fragen. Die Vorträge waren zwar schon gut besucht, aber auch hier konnte ich ohne Mühe einen Sitzplatz ergattern und meinen, inzwischen schon leicht angeschlagenen Füßen, etwas Erholung gönnen. 

Am Nachmittag war ein Durchkommen schon schwieriger. Doch ich konnte schon am ersten Messetag einen großen Teil von meiner 'To-do-Liste' abarbeiten. So hatte ich am Freitag Zeit, mich treiben und auch schieben zu lassen.

Da gab es die Self-Publischer Ecke, die mit Stolz ihre Werke präsentierten. Ein 'Gewusel'. Umarmungen. "Schön dich wieder zu sehen". "Lass uns ein Foto machen". Fröhlichkeit. Leichtigkeit. 

Nebenan die Publikumsverlage, die mit ernsten Gesichtern Verträge mit ihren Autoren oder Agenten diskutierten. 

Ich finde es toll, dass die Self-Publisher Gelegenheit bekommen haben, Teil von dieser Messe zu sein. 

Die Abende waren dann meinem persönlichen 'Meet and Greet' gewidmet. FB Freunde, die ich endlich mal persönlich kennenlernen durfte. Alte Bekannte die ich wieder umarmen konnte. 

Es war eine Facettenreiche Buchmesse und ich bin sicher, dass ich nicht das letzte Mal dort war. Ganz besonders da im nächsten Jahr Frankreich, meine jetzige Heimat, der Ehrengast sein wird.

(Oktober 2016)

 


Die Figuren machen die Geschichte

Schreibratgeber sagen mir, wie ich meine Protagonisten ins rechte Licht rücken soll. Wie ich den Handlungsverlauf zu konstruieren habe und 'die Seele der Nacht' an der richtigen Stelle in der Drei-Akt-Struktur platzieren sollte.

Ich lese diese Ratgeber gerne, sie sind informativ, hilfreich und teilweise sehr witzig geschrieben. Von jedem picke ich mir das heraus, was für mich nützlich sein könnte. 

Zur Zeit bastle an einer neuen Geschichte. Das ist für mich einer der tollen Schreibmomente, obwohl ich noch gar nicht schreibe, sondern mich mit den Figuren auseinandersetze die in meinem Roman-Orchester mitspielen werden. 'Wetteifern mit Gott: Die Erschaffung faszinierender Menschen' (Über das Schreiben von Sol Stein).

Ich weiss zwar, was ich erzählen will, aber meine Figuren kenne ich noch nicht oder nur sehr schwammig. 

Deshalb führe ich lange Interview's mit ihnen. Alles will ich wissen. Wo sie geboren und aufgewachsen sind. Ihre Schwächen und Stärken. Ich will wissen wie die Schulzeit für sie gewesen ist, ob sie viele Freunde haben. Ob sie Ängste plagen, ob es etwas gibt das sie traurig macht. 

Natürlich schaue ich auch auf das Äussere. Sind sie groß, klein, dick oder dünn? Dann frage ich sie, ob sie damit zufrieden sind oder lieber anders aussehen möchten. Ich frage sie auch nach ihren Zukunftsplänen.

Bei manchen bekomme ich sofort eine ehrliche Antwort, bei manchen dauert es etwas länger. 

Das ist weiter nicht schlimm, ich kann warten.

Erst wenn alle meine Figuren Leben angenommen haben, mit mir sprechen, mir den Vogel zeigen, weil ich versucht habe, sie in ein Korsett zu zwängen, erst dann kann ich einen Handlungsverlauf entwerfen. Einen lockeren zwar nur, weil ich ihnen auch während des Schreibens zugestehe, manchmal eigene Wege, die nicht vorgesehen waren, einzuschlagen. 

Ich bin gespannt wie es weitergeht und werde natürlich von Zeit zu Zeit darüber berichten. 

(September 2016)

 

 

 


La Rentrée

Überall in den großen Einkaufsläden werden zur Zeit die Verkaufsregale für das 'La Rentrée', zu Deutsch die 'Rückkehr', aufgefüllt. Das obwohl die Schule erst anfangs September wieder beginnt. 

Man sieht Mütter und auch Väter, die zusammen mit ihrem Nachwuchs durch die Gänge streifen und suchend ihre Blicke über die Angebote schweifen lassen. 

Hefte, Ringhefte und Blöcke in allen Farben und Größen. Schachteln zum Verstauen von hunderterlei Dingen. Bleistifte, Kugelschreiber und Farbstifte. Schultornister, die wie Bergsteigerrucksäcke aussehen, und teilweise so groß sind, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie ein Erstklässler einen solchen Rucksack auch nur ohne hinzufallen, mehr als hundert Meter tragen kann. 

'La Rentrée' ist aber nicht nur für die Schüler ein wichtiger Tag. Auch die Büroangestellten, die Bänkler, die Frisöre, die Kassiererinnen möchten ihre frisch erworbene Bräune im besten Licht präsentieren. 

So wirbt denn die Kosmetikindustrie für neue Make-ups und passende Lippenstifte die die Gesichtsbräune unterstreichen sollen. Die Sommermode mit den fast durchsichtigen Tops wird gegen etwas gedecktere Kleidung ausgetauscht, weil die Septembermorgen doch schon recht frisch sein können. Auch hier werden die Farben auf den Ferienteint abgestimmt. Orange, so habe ich kürzlich in einer führenden Modezeitschrift gelesen, soll die diesjährige Farbe für das 'La Rentrée' sein. 

Die Haare! Die haben im Gegensatz zum Gesicht gelitten. Sie sind strohig und ausgebleicht von der Sonne, dem Wind und dem Salzwasser geworden und der Schnitt ist in den vier Ferienwochen herausgewachsen. 

Die Frisöre alle Hände voll zu tun, aus den Wuschelköpfen wieder Frisuren zu zaubern, die dem 'Rentrée' gerecht werden. 

Da habe ich es einfacher. Bei mir findet kein 'Rentrée' statt. Ich kann mich in ausgebeulten Trainingshosen an meinen Schreibtisch setzen, der nicht in einem Bürohaus, sondern bei mir zu Hause ist. 

Doch ich freue mich trotzdem auf das 'Rentrée', denn dann kommt endlich meine 'Perle' aus ihren Ferien zurück. Vier Augustwochen sind eine lange Zeit. 

(August 2016)

 


Quatorze Juillet und andere Sommergeschichten

Der 14. Juli, der französische Nationalfeiertag, der wird gefeiert, und wie. 

Man trifft sich entweder im Garten, im Park oder im nahen Erholungsgebiet zum Picknick. Sämtliche Köstlichkeiten die das Land zu bieten hat, werden aufgetischt. 

Paté, Käse, Schinken, Wurst, geräucherte Entenbrüste und noch vieles mehr. Natürlich darf auch der Wein nicht fehlen, ist doch klar, das Perigord hat ja auch einen sehr guten Wein zu bieten. Und dann wird getafelt, geschwatzt und gelacht. Solche Picknicks dauern, wie alles was  in Frankreich mit Essen zu tun hat. 

Ein französischer Freund hat einmal zu mir gesagt: "Die Welt kann stillstehen oder untergehen, wir werden immer etwas zum Essen haben. Ja, so sind sie, die Franzosen und das finde ich sehr sympathisch.

Nach dem großen Gelage, das bis in die Nacht hinein dauert, beginnen die Feuerwerke. Jedes Dorf versucht das andere mit ihrem Farbenspiel zu übertreffen. So bekommen die Zuschauer rundherum ein grandioses Feuerwerk geboten und jede einzelne Rakete wird mit einem lauten Oh, Ah und eifrigem Händeklatschen belohnt. 

 

Der Sommer hat aber auch noch anderes zu bieten, die Touristen die das Land ab Ende Juni wie Heuschrecken überfallen. 

Wohnwagen zwängen sich durch die engen Gassen der Dörfer, auf den Campingplätzen leuchten die bunten Zelte wie Blumenwiesen und in den großen und kleinen Einkaufsläden wird in allen Sprachen parliert, wobei Englisch überwiegt. Doch auch Holländisch und Deutsch ist zu hören. Und natürlich auch die französischen Touristen, vornehmlich Pariser. Manch einer besitzt ein kleines Landhaus in der Gegend, wo er sich gerne von der Hektik von seiner über alles geliebten Stadt erholt. 

 

Und dann beginnen sie, die Festivitäten. Nocturne Gourmand (frei übersetzt "Nachtmarkt"), wo, wie könnte es anders sein, Spezialitäten der Region angeboten werden. Wo getafelt und getanzt wird, und das sehr oft bis in den Morgen hinein. 

Musikgruppen laden zu Open Air Konzerten ein und so manches  Dorf präsentiert an den Wochenenden den staunenden Zuschauern die Handwerkskunst aus alter Zeit. 

 

Drei Monate, mindestens, wo sich ein Fest nach dem anderen die Hand gibt. Drei Monate des Trubels und der Leichtigkeit, bevor langsam die Ruhe wieder einkehrt.

 

Aber halt, da gibt es noch etwas! Im Oktober beginnt die Weinlese. Die Festivitäten flackern noch einmal auf, bevor sich die Region endgültig in den Winterschlaf begibt.

(Juli 2016)

 

 

 


Aus dem Nähkästchen

Ich bin fleißig gewesen in den letzten Wochen. 

Das Rohmanuskript für meinen nächsten Roman ist fertig und auch der erste Überarbeitungsschritt liegt hinter mir. 

Szenen wurden gestrichen oder umgeschrieben. Wortwiederholungen ausgemerzt. Wiederkehrende Satzanfänge und unnötige Adjektive aufgespürt. Einige Textstellen immer wieder laut gelesen und dabei auf den Satzrhythmus geachtet, usw. usw. 

Jetzt liegt es vor mir, das Manuskript, ein Ordner voll mit Papier und wartet auf den zweiten Überarbeitungsdurchgang. Denn Zwei, mindestens, müssen sein. Je nachdem auch noch einen dritten oder vierten Durchgang, bevor ich es an meine Testleserinnen verschicke und danach ins Lektorat. 

Mag sein, dass ich zu pingelig bin, doch die Erinnerung an das 'Fremde Kind' ist immer noch gegenwärtig. Ich wollte schnell fertig sein, das Ding durchboxen, aber im Endeffekt hat es dann länger gedauert, bis der Text druckreif war. 

Ich muss mich wieder einmal in Geduld üben, obwohl Geduld so gar nicht meine Stärke ist. 

 

Wenn sich zwei Autorinnen treffen, dann gibt es viel zu lachen und zu diskutieren. 

An Pfingsten habe ich mich mit einer Facebook Freundin im lieblichen Weinstädtchen St. Emilion getroffen. Es ist immer wieder spannend jemanden, mit dem man bislang nur virtuell geplaudert hat, in 'Echt' kennenzulernen. 

Das Wetter hat mitgespielt. Das erwähne ich deshalb, weil ich vom Dordogne Frühling in diesem Jahr ziemlich enttäuscht bin. 

Nachdem wir die engen Gassen durchstreift hatten, genossen wir, in die Sonne blinzelnd, ein Glas Wein und quatschten. "Wie bist du auf deine Geschichte gekommen, was schreibst du als Nächstes, wo hast du dein tolles Cover gefunden". Der Tag verging viel zu schnell. 

Einmal mehr habe ich durch Facebook einen lieben Menschen kennengelernt, und ein Kurztrip nach Wien im nächsten Jahr ist bereits geplant. 

 

Was war sonst noch?

Einmal pro Jahr leiste ich mir etwas Luxus. Dieser Luxus liegt nur knapp zwei Stunden von meinem zu Hause entfernt und heißt 'Les Bains d'Arguin', ein Hotel in Arcachon, direkt am Atlantik, mit einem geheizten Meerwasserschwimmbad.

Schwimmen, am Strand laufen, den Sonnenuntergang genießen - Luxus pur. Drei Tage und die leergelaufene Batterie ist wieder aufgeladen. 

 

 

 


Von Dachbodenentrümpelung, Omeletts mit jungem Knoblauch und anderen Dingen

Da, wo ich wohne, in der Dordogne, kennt man den 'Tanz in den Mai' nicht, doch auch dieser Monat aller Monate wird hier gefeiert. 

Schon am Abend vorher liegt ein leichter Knoblauchduft über den Dörfern. Fleißige Frauen schnippeln den jungen Knoblauch 'Aillette' genannt, (feine grüne Stangen die wie junger Lauch aussehen), und dünsten ihn mit Olivenöl in großen Pfannen. Berge von Knoblauch werden so für das Fest vorbereitet. 

Am nächsten Morgen herrscht eifriges Treiben auf den Dorfplätzen. Körbe mit Eier, und der gedünstete Knoblauch werden gebracht. Riesige Brotlaibe, Wein, Käse, frische Erdbeeren und Kuchen türmen sich auf den Tischen. 

Auch mein 'Dorf' feiert den 1. Mai mit Omeletts à l'Aillette. Sie schmecken köstlich, diese Omeletts, zusammen mit einem duftenden Stück Brot und einem Glas Rotwein, besser kann ich mir den Beginn vom Wonnemonat Mai nicht vorstellen. 

Fröhliches Lachen und Geschnatter empfängt mich, als ich aus dem Auto steige, untermalt mit französischen Chansons, die aus einem Lautsprecher plärren. 

Das erste Omelett ist gegessen und ich mache mich auf, um über den Blumenmarkt zu bummeln, der dazu gehört. Geranien in allen Farben, Rosen, bunte Sträucher, und noch viel mehr werden angeboten. 

Ich kaufe meine Geranien, so wie ich das jedes Jahr mache. Schnuppere an den Rosen, und werde - schwach. Eine Rose, mit dem Namen 'Isabelle', zartrosa, mit einem leichten Gelb in der Mitte der Blüte, hat mein Herz erobert. Diese Rose musste ich haben!

Blumenkaufen macht hungrig, deshalb war der Verzehr von einem weiteren Omelett angesagt, bevor ich mich zum 'Dachentrümpelungsmarkt', (Vide Grenier, oder zu Deutsch: Flohmarkt) aufmache. Denn der gehört ebenso wie der Blumenmarkt zum 1. Mai. 

Ich staune, was da alles so angeboten wird. Viel Kitsch, viel Schrott, dazwischen aber echte Schnäppchen. 

Meine Tasche fest unter den Arm geklemmt bummle ich über den Markt. Halte hier ein Schwätzchen, nehme dort ein Bild, einen Topf oder eine Statue in die Hand, und stelle alles brav wieder auf den Ausstellungstisch zurück. "Ich brauche nichts", murmle ich entschuldigend und schlendere weiter. 

Plötzlich, eine Suppenterrine springt mir ins Auge. So kitschig, dass sie schon wieder als schön bezeichnet werden kann. "Was soll die kosten?", frage ich. "Zehn Euros", erwidert der Händler und, hält mir das gute Stück entgegen. 

Nach ein paar Minuten bin ich stolze Besitzerin der schönsten und kitschigsten Suppenterrine weit und breit. 

 

 

 


'Salon du Livre' in Paris oder Buchmesse in Leipzig?

Das war die Frage, die ich recht schnell beantworten konnte. 

Zwei Gründe haben mich dazu bewogen: Erstens ist Leipzig von meinem Wohnort fast nicht erreichbar, und zweitens habe ich von der Frankfurter Buchmesse, die in Paris vertreten ist, eine Einladung zu einem 'Dejeuner' erhalten. Weshalb, das weiß ich nicht, aber ich muss ja nicht immer alles hinterfragen. 

Also, Bahnkarte gekauft und Hotel gebucht. 

Punkt zehn Uhr öffneten sich die Tore, und eine unglaubliche Menschenmasse strömte in die Messehallen. Nein, klein ist dieser 'Salon' absolut nicht. 

Wie in Frankfurt, werde ich von einer Unmenge von Büchern empfangen. Gleich am Eingang präsentiert sich ein Verlag mit Kunstbänden. Louvre, Museé d'Orsay, Picasso, Monet, Manet, Van Gogh, nur um einige zu nennen. Paris, ist nicht nur die Stadt der Liebe, sondern auch die Stadt der Künste. 

Dann folgte ein Stand mit Reisebüchern, moderner französischer Literatur, Kinderbücher, Kochbücher, Gartenbücher,  und noch Vieles mehr. 

Auch Amazon.fr mit seinem Kindle, und seinem Create Space Angebot war vor Ort. 

Was ich nicht gesehen habe, waren die Podiumsdiskussionen zwischen Autoren, Verlagen, Lektoren und Lesern. Einzig Amazon präsentierte sein Programm einer kleinen interessierten Gruppe, der Titel war: 'Schreiben und gelesen werden'.

Was man aber konnte, bei allen Ausstellern, Bücher kaufen. Es war also eine große Verkaufsmesse.

Nur gut, dass ich nicht so viele französische Bücher lese, sonst ...

Am Frankfurter-Ausstellungsstand, wo wirklich ein 'Frühstück' serviert wurde, und man sich auch mit Büchern eindecken konnte (was ich getan habe), wurde mir erklärt, dass es erst das zweite Jahr ist, in dem sie sich in Paris präsentieren, und im Hinblick auf die Jugendbuchmesse in Bologna Kontakte zu französischen Jugendbuchautoren und Verlagen aufbauen wollen. 

Wer weiß, vielleicht bekommt meine Kindergeschichte, die schon lange in meinem Computer schlummert, endlich eine Chance, das 'Licht der Welt' zu erblicken. 

Ach ja, was ich nicht unerwähnt lassen möchte, und was mir sehr gefallen hat, es tummelten sich ganz, ganz viele Schulklassen mit ihren Lehrern in den Hallen. Die Kinder durften die Bücher anfassen  darin blättern, und für einmal hatten die Kids nicht ihr Handy,  sondern Bücher in der Hand.

Ich denke, dass ich diese Messe nicht das letzte Mal besucht habe. 

 

 


Zug fahren in Frankreich ist immer noch ein Abendteuer...

... ganz besonders auf dem Land, obwohl die französische Bahn alles unternimmt, den Leuten das Bahnfahren schmackhaft zu machen. 

Da gibt es Angebote aller Art. Für Schüler, für diejenigen, die nur ab und an ihren Fuß in ein solches Fortbewegungsmittel setzten wollen, für Gruppen, für Senioren und noch viele andere, ich kann gar nicht alles aufzählen. 

Hin und wieder lasse ich mich sehr gerne mit dem Zug von St.Foy la Grande  nach Bordeaux bringen. Weil, ich muss in Bordeaux keinen Parkplatz suchen, keine Parkplatzgebühr bezahlen, kann mich im Zug entspannen, lesen, aus dem Fenster schauen oder einen Schwatz mit meinem Sitznachbarn pflegen. Ich erfahre dabei viel Neues, zum Beispiel über die Sorgen der Weinbauern, über das Schulsystem, das auch nicht mehr dasselbe ist, wie es einmal war, über Schliessungen diverser Kleinläden in der Region und noch vieles mehr. 

Eine Bahnfahrt auf dem Land kann aber nicht so einfach geplant werden, nein, sie ist immer mit einem Fragezeichen verbunden. Es gibt zwar einen Fahrplan, der sogar im Internet aufgerufen werden kann, und trotzdem stellt sich schon am Vorabend die Frage: fährt er, der Zug, oder fährt er nicht?

Beispiel gefällig? Ich fahre am Tag X zum Bahnhof, ich möchte in Bordeaux bummeln. Am Abend zuvor habe ich im Internet recherchiert, ob die geplante Fahrt auch stattfinden kann. Sie kann, hat mir der Fahrplan gesagt. 

Schon von Weitem entdecke ich an der Eingangstür zum Wartesaal, ein Schild hängen. Ich ahne nichts Gutes, das sich dann auch bestätigt, als ich am Schalter meine Fahrkarte lösen will. 

Heute fährt kein Zug, erfahre ich, heute werden die Bäume am Bahndamm geschnitten und die Schienen gesäubert. Ich murre etwas und frage, weshalb das nicht auf der Internetseite der Bahn bekanntgegeben worden sei, denn immerhin bin ich zehn Kilometer mit dem Auto nach St. Foy la Grande gefahren. 

Schulterzucken! Das sei noch nicht bekannt gewesen, gestern Abend, war die lakonische Antwort. 

Es gäbe noch weitere Beispiele zu erzählen.

Trotz aller Hindernissen werde ich nicht auf das Bahnfahren verzichten.

Februar 2016

 

 


Augen - Blicke

Der Weihnachtslichterglanz ist vorüber, die fetten Pasteten, die saftigen Braten und die leckeren Süssigkeiten sind verdaut, der Alltag hat mich wieder eingeholt. 

Gut so, oder auch nicht, denn der Januar hat, nach einem frühlingshaften Dezember, zugeschlagen und zwar erbarmungslos. Nein nicht mit Schnee, aber mit Regen, drei Wochen lang. 

Nun, ich habe nicht viel verpasst, eine schon lang geplante Augenoperation stand an, eine gute Zeit, die in diesem trüben Wetter durchzuführen. 

Was habe ich noch gemacht, während diesen Regentagen? Natürlich geschrieben, das Wetter hat ja gerade dazu eingeladen.

Meine Protagonistin, ihr Aufbegehren, ihre Suche, ihr Scheitern und letztendlich ihr Erfolg, und danach die Erkenntnis, dass Erfolg nicht alles ist, das treibt mich an, immer weiter Szene um Szene in meinem Computer zu schreiben. 

Eigentlich ist das für mich die schönste Zeit des Schreibens. Ich tauche in meine Geschichte ein, ich lebe mit meiner Protagonistin, ich leide mir ihr, ich freue mich, wenn es ihr gut geht und ich weine mit ihr, wenn sie mal wieder nicht weiß wie es weitergehen soll. 

Und wenn ich dann "ENDE" unter mein Manuskript geschrieben habe, dann... ?

berichte ich euch darüber, wie ich mich fühle. 

Ich hoffe, dass ich das bald tun kann. 

Januar 2016

 

Hier mal ein kleiner Ausschnitt. Für meine Protagonistin beginnt einer neuer Lebensabschnitt:

"Hier ist es", die ersten Worte von Frau Smith, nach der einstündigen Fahrt quer durch die Stadt. Sie hielt vor einem mächtigen Eisentor an, und stieg aus um es zu öffnen.

Wie ein Gefängnis, dachte Anna und duckte sich in ihren Sitz. Eine lange Baumallee führte zum Eingang des Hauses. Kein Licht erhellte die Fenster. Anna kletterte aus dem Wagen und nahm stumm den Koffer in Empfang, den Frau Smith aus dem Kofferraum gehoben hatte. Sie schritt hinter ihr die Steinstufen hoch und trat in eine dunkle Halle. Schüchtern wartete sie, bis Frau Smith das Licht eingeschaltet hatte, um ihr dann den Korridor entlang in das Büro zu folgen. 

"Ich werde dir nachher dein Zimmer zeigen, das du mit einem anderen Mädchen, einer Französin, teilen wirst." Sie beugte sich nach vorne, zog aus einer Mappe ein eng beschriebenes Blatt heraus und schob es zu Anna hin. "Das sind unsere Hausregeln, da sie aber nur in englischer Sprache vorliegen, werde ich sie für dich übersetzten."

Anna nahm das Blatt und starrte auf die handgeschriebenen Buchstaben, und erneut fuhr ihr das Wort 'Gefängnis' durch den Kopf.

"Morgens um sechs Uhr ist Tagwache", begann Frau Smith, "danach eine Stunde Turnen und um sieben Uhr Frühstück im Gemeinschaftsraum. Nach dem Frühstück gibt es eine Stunde Englischunterricht."

Anna schaute sie erstaunt an: "Wann darf ich dann zur Schule gehen?"

"Nach dem Unterricht", erwiderte Frau Smith und fuhr fort, "am späten Nachmittag wird in der Küche mitgeholfen. Gemüse rüsten, Tische herrichten, Wäsche waschen, denn wir sind hier kein Hotel", ergänzte sie mit strenger Stimme. "Nach dem Abendessen, das gemeinsam um sieben Uhr eingenommen wird, ist noch eine Stunde zur freien Verfügung, und um neun Uhr ist Lichterlöschen. Hast du alles verstanden?"

Anna nickte. "Darf ich dann in dieser freien Stunde noch malen?", fragte sie schüchtern. 

"Es wäre besser, wenn du in dieser Stunde Englisch lernen würdest, malen kannst du zur Genüge in der Schule." Sie erhob sich, "komm ich zeig dir jetzt dein Zimmer."

  

 

 


Ein neues Jahr hat begonnen

Lasst uns darauf anstossen. Ich wünsche euch, dass all eure Wünsche wahr werden, und dass es ein friedliches Jahr werden wird. Vielen Dank für eure Treue. 

Happy 2016

 

 


Weihnachten auf dem Land 

Das Weihnachtsfieber hat nun auch die Dordogne erreicht. Überall werden Tannen in allen Größen angeboten, denn auch in Frankreich stehen diese Bäume geschmückt in den guten Stuben. Der Weihnachtsschmuck unterscheidet sich aber doch etwas von dem in Deutschland oder in der Schweiz. Die elektrischen Lämpchen strahlen nicht leise vor sich hin, nein, hier blinken sie in allen Farben. Rot, Blau und Weiß wechseln sich ab und konkurrieren mit so manchen Discos. Ergänzt wird diese glitzernde Pracht, mit buntem Lametta und Weihnachtskugeln. 

Dass bald Weihnachten ist, zeigen auch die Zäune und Hecken, an denen Pakete in buntem Papier aufgehängt werden. Farbenfrohe Schleifen ergänzen das Ganze und an den Hauswänden klettern Weihnachtsmänner empor. 

Am Heiligen Abend, der der Familie gehört, wird den kulinarischen Genüssen gefrönt. Die Tische biegen sich unter der Last der Speisen. Austern, Langusten, Krebse, Gänseleber, Pasteten, Käse und viel Süßes wird aufgetischt. In der Regel dauert diese Schlemmerei mehrere Stunden. Danach geht man zur Mitternachtsmesse oder sinkt mit vollem Bauch ins Bett. 

Die Geschenke werden am Weihnachtsmorgen vom "Père Noel' gebracht, und dann wird wieder geschlemmt. Dieses Mal zusammen mit Freunden. Nach diesen zwei Tagen, sollte man die Waage tunlichst meiden.

Meine erste Weihnachten in der Dordogne werde ich nie vergessen. Im Festsaal des Dorfes, den meine Nachbarn gemietet hatten, fanden sich 50 Personen ein. Alles Verwandte, Onkel, Tanten, Nichten, Enkelkinder. Es war ein wundervolles Durcheinander jeden Alters. Man ass, man trank und man schnatterte. Die "hauseigene" Band spielte zum Tanz auf. Ich habe noch nie eine so fröhliche Weihnacht erlebt.

Ich wünsche euch nun wundervolle Festtage und, dass alle eure Wünsche für das Jahr 2016 in Erfüllung gehen. 

(Dezember 2015)

 

 


Adventszeit in...

...meiner neuen Heimat. Hier gibt es keine geschmückten Adventskränze in den guten Stuben. Auch bunte Kugeln und glitzernde Girlanden bleiben bis Weihnachten in den Truhen verpackt. Die Adventszeit, so wie sie in Deutschland und auch in der Schweiz stattfindet, kennt man in Frankreich nicht. Auch das Backen von Weihnachtsplätzchen ist für die französische Hausfrau ein Fremdwort. Davon ausgenommen ist das Elsass. Aber das Elsass tickte ja schon immer etwas anderes, als das übrige Frankreich. 

Natürlich, in den großen Einkaufszentren glitzern kleine LED Lämpchen auf galoppierenden Rentieren, und  künstliche Weihnachtsmänner schmücken die Eingangshallen und laden zum Kauf ein. Das muss sein, denn auch hier soll das Weihnachtsgeschäft die Kassen klingeln lassen. 

Ich erinnere mich, als ich vor vielen Jahren das erste Mal Weihnachten in der Dordogne verbracht hatte, da war es dunkel in den Straßen. Kein Lichterschmuck erhellte die Dörfer. Das hat sich in der Zwischenzeit stark verändert, auch hier werden jetzt Häuserwände und Fenster mit Lichterketten geschmückt, und über den Straßen baumeln Sterne, Schneemänner und Engel. 

Was ich allerdings eine sehr schöne Tradition finde: Ab Anfang Dezember werden im Wohnzimmer, in der Küche, überall dort wo man einen Platz dafür findet, kleine bunte Töpfe mit Hyazinthen aufgestellt. Ein Hauch von Frühling in der dunklen Jahreszeit. 

Ich wünsche euch eine wunderschöne Adventszeit. 

(Dezember 2015)

 

 


Aus meinem Schreibtagebuch

Ich habe euch ja versprochen, ab und zu auch über meinen Schreiballtag zu berichten, obwohl, so spannend ist so ein Tag auch wieder nicht. Doch heute bin ich in Laune. 

Mein Romanmanuskript geht recht flott voran. Meine Protagonistin macht das, was ich will, sie tanzt also noch nicht aus der Reihe. Das macht mich etwas stutzig, denn sie ist im Grunde genommen eine sehr selbstbewusste Person.

Doch ..., da tauchen plötzlich zwei junge Frauen auf, die ich in meinem Kapiteltreatment nicht eingeplant hatte. Nun gut, die beiden passen in die Geschichte, und deshalb gebe ich ihnen auch die Gelegenheit, darin mitzuspielen. Für eine kurze Zeit, jedenfalls. 

Und dann, und jetzt wird es spannend, entwickelt sich zwischen meiner Protagonistin und zwei Männern, plötzlich so etwas, na ich weiß nicht, es soll ja keine Liebesgeschichte werden. 

Was mach ich jetzt? Den einen rausschmeissen, den anderen lassen -  oder einfach mal beide in die Story mit einbeziehen? Hm!

 Wie soll mein Kapitelübergang nun sein? Erzählte Zeit oder Erzählzeit? Rückblende? Innerer Monolog ...? Im Moment hänge ich. 

Aber ich verspreche euch, ich werd den "Knoten" lösen und wieder berichten. 

(November 2015)

 

 


Paris ...

... mal wieder. Ab und zu muss ich das einfach tun, nach Paris fahren. Ab und zu brauche ich die Hektik dieser Stadt, mit ihren 7 Millionen oder mehr Menschen um mich herum. Natürlich treffe ich nicht alle, aber doch ganz schön viele, ich habe sie aber noch nie gezählt.

Ich setze mich also in den TGV, das ist einer von diesen Hochgeschwindigkeitszügen, der mich in knapp drei Stunden in die "Stadt der Liebe" bringt. 'Bienvenue Montparnasse', so nennt sich der Bahnhof, und wenn man aus der Halle tritt, ist man sofort mitten im Gewühl. 

Mein Hotel liegt nur einen kurzen Fußmarsch entfernt. Ich bringe mein Zweitage Gepäck auf mein Zimmer, und dann geht es los, nach unten auf die Straße. Bummeln, schauen, riechen. Einen Kaffee in einem der unzähligen Bistros, und wieder schauen. Es gibt so viel zu sehen, ich spreche jetzt nicht von Museen, Kirchen oder sonstigen Monumenten, ich spreche von Menschen. Menschen mit all ihren Schattierungen. Sie sitzen, so wie ich, im Bistro und diskutieren, mit ihren Händen, mit ihrer Mimik. Ich brauche nicht zu verstehen, was sie sagen, ich muss nur zuschauen, es ist wie früher im Stummfilm, und ich erlebe ein Kopfkino vom Feinsten. Danach geht es weiter, bis ich spät Nachts müde ins Bett falle. 

Den zweite Tag habe ich dazu benutzt, nochmals auf den Spuren von meiner Protagonistin Isabelle aus meinem Roman "Fremdes Kind" zu wandeln. Sie hat, bevor sie sich in die Normandie absetzte, einige Zeit in Paris gelebt, und es war ein absolut tolles Gefühl, das Hotel, in dem sie für kurze Zeit wohnte, das Restaurant, in dem sie Serge kennen lernte, und noch einiges mehr, wieder aufleben zu lassen. 

Natürlich habe ich auch einige der Prachtstraßen besucht, bin an der Seine entlang gebummelt, und war auch wieder einmal am Strawinsky Brunnen, das gehört zu einem Parisbesuch. so  wie auch der Eiffelturm, die Sacré Coeur und noch vieles mehr. 

Es sind drei wunderschöne und sonnige Herbsttage gewesen, und ich werde ganz bestimmt bald wieder hinfahren. 

Zum Schluss noch eine kleine Szene, die ich euch nicht vorenthalten will:

Fragt mich doch eine Verkäuferin in einem Geschäft, wo ich denn wohne? "In der Dordogne", antworte ich, darauf sie: "Ist das auch noch Frankreich?" 

(November 2015)



'Perlen' kann man auch auf dem Land finden...

...man muss nur suchen. 

Als ich den Plot für mein neues Projekt meiner ehemaligen Studienleiterin gezeigt hatte, fragte sie, ob ich denn etwas vom Malen verstehen würde. Ich musste passen,  denn gemalt hatte ich seit meiner Kindergartenzeit nicht mehr. "Das müssest du aber", war ihre Antwort gewesen.

Soll ich jetzt, neben dem Schreiben auch noch mit Malen beginnen? Das Schreiben nimmt doch eh schon so viel von meiner Zeit in Anspruch?

Doch dann hat mich der 'Hafer' gestochen. Warum nicht? Ich bin ja immer offen, Neues zu entdecken.

Also habe ich mir die notwendigen Utensilien zugelegt und angefangen. Die ersten Versuche sahen ... hm ..., da schweigt des Sängers Höflichkeit. 

Aber nach weiteren Versuchen kam ich immer mehr in Fahrt. Das Mischen der Farben, die Arbeit mit dem Pinsel auf der Leinwand, ich hatte echte 'Wow' Erlebnisse. 

Und trotzdem fehlte mir etwas. Nein, nicht der Applaus der Zuschauer, sondern die Anleitung von einem Profi.

Wo um Himmels Willen sollte ich denn so etwas auf dem Land finden? 

Durch einen guten Freund, der dem gleichen Hobby frönt, wurde ich fündig. 

In einem Dorf, nicht weit von mir, treffen sich jeden Monat Malbegeisterte. Es ist kein Malkurs im herkömmlichen Sinn, sondern jeder malt, was er gerne möchte. Landschaften, röhrende Hirsche, lächelnde Katzen, Naives, Modernes, man malt was Spaß macht. Aber ... und das ist das Tolle, Bernard, ein Kunstmaler, der unsere Aktivitäten still beobachtet,  ist zur Stelle, wenn es mal hakt, wenn man nicht weiß, wie man anfangen oder weiterfahren soll. Wenn der Farbklecks zu aufdringlich wirkt, wenn die Farbmischung nicht so geworden ist wie man es gerne gehabt hätte, dann hilft er uns mit seinem Können weiter. 

Wie habe ich gestaunt, als vor ein paar Wochen die Kunstwerke der Gruppe der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Da gab es wirkliche 'Perlen' zu sehen. 

Jetzt wollt ihr wahrscheinlich noch  wissen, weshalb ich Malkenntnisse für mein neues Projekt brauche? 

Kurz gesagt, meine Protagonistin in meinem Projekt,  ist eine Kunstmalerin, deshalb. 

(November 2015)

 

 


Gedankensplitter zur Frankfurter Buchmesse 

In diesem Jahr wollte ich sie nicht verschlafen, die Buchmesse, so wie im letzten Jahr, und deshalb habe ich das Hotel, die Besucherkarte und den Flug frühzeitig gebucht. 

Am Donnerstagmorgen ging es los und gegen Abend landete dann das Flugzeug in der Bücherstadt. Der Taxifahrer der mich zum Hotel brachte war brummig, der Regen war heftig, so wie auch der Stau auf den Straßen. Bouchon nennt man das in Frankreich. 

Bewaffnet mit meinem Notizbuch, in dem ich aufgeschrieben habe, wen ich wo und wann treffen wollte, betrat ich die heiligen Hallen und versuchte mich erst einmal zu orientieren. Das klappte ganz wunderbar - alles war übersichtlich beschrieben  - aber die Wege waren weit. Da ich nicht ganz  unsportlich bin, meine bequemsten Schuhe an den Füßen hatte, war das kein Problem für mich.

Der erste Messetag verlief zu meiner vollsten Zufriedenheit und nun war Bummeln und Essen in der Altstadt angesagt. 

Zusammen mit zwei Damen, die im gleichen Hotel wohnten, fuhr ich in die Altstadt, zum "Römer". Die Fachwerkhäuser sind wirklich sehenswert, aber die Paulskirche war leider geschlossen. Nach der ausgiebigen Besichtigung war der Hunger groß und wir beschlossen, etwas für unser leibliches Wohl zu tun. Die Wahl war nicht einfach, denn Gaststube an Gaststube reihten sich aneinander. 

Nun, am Ende entschlossen wir uns für ein kleines und sehr gemütliches Restaurant. Wände, verkleidet mit Holztäfelung, antike Tische und Stühle, und bäuerlich angehauchte Deckenlampen strahlten ein gemütliches Ambiente aus. 

Diese Gemütlichkeit ließ uns vier Stunden  bei Speis und Trank am Tisch verweilen. Wir hatten uns so viel zu erzählen, es kam mir vor, als hätten wir uns schon ewig gekannt und nach langer Zeit wieder einmal getroffen.  

Der Samstag war dann dem "Meet and Greet" gewidmet. Ein Facebook-Freunde-Treffen, das schon im Vorfeld der Buchmesse abgesprochen worden war (natürlich via Facebook) war angesagt. Ich war sehr gespannt. Wie würden sie sein? So ganz anders, oder so wie ich sie virtuell erlebt habe? 

Aber zuerst gab es ein freudiges Wiedersehen mit einer lieben Freundin, die extra von Köln angereist kam. Manchmal wohne ich wirklich in der "falschen Ecke", sprich zu weit weg, im fernen Frankreich. 

Und dann am Nachmittag, Treffpunkt Stand xxx, um 14 Uhr. Und sie trudelten alle ein. Es war toll, man kannte sich ja nur vom FB Profilbild, aber man erkannte sich sofort. Da war die Valerie, eine langjährige FB-Freundin, die Sandra, die Medusa, die Marlies, der Frank, die Veronika, die Bettina und noch einige andere. 

Umarmungen, "endlich lerne ich dich mal persönlich kennen", oder "ach dich habe ich auch schon gelesen", so tönte es in dem allgemeinen Trubel rund um uns herum.

Beim Kaffeetrinken, draußen auf dem Hof - dort war es angenehm ruhig und kühl, im Gegensatz zu der überfüllten und heißen Halle - hatten wir dann Gelegenheit, uns so richtig auszutauschen und zu plaudern. Der Nachmittag verging viel zu schnell. 

Wir sehen uns wieder im nächsten Jahr, so war der allgemeine Tenor beim Abschied. 

Meine Schlussgedanken: Ich bin in eine Bücherwelt eingetaucht die seinesgleichen sucht, habe Kontakte geknüpft und liebe Facebook Freunde persönlich kennengelernt und neue dazu gewonnen.

(Oktober 2015)

 


Aus meinem Schreibtagebuch

Aufstehen, wenn die arbeitende Bevölkerung schon die ersten Arbeitsstunden hinter sich gebracht hat, gemütliches Kaffee trinken, meine zwei Katzen füttern, sich dann mit Block und Bleistift in ein Bistro zu setzen und auf die Muse warten?  Nein, so sieht mein Schreibtag nicht aus. 

Kaffee trinken um die Lebensgeister auf Vordermann zu bringen,  ja das trifft zu, und das Füttern von meinen zwei 'Raubtieren' auch. 

Das mit dem Bistro und der Muse, wäre  schön,  aber... trifft leider nicht zu. 

Ich fahre den Computer hoch, ich lese die letzten Sätze, die ich spät am Abend noch geschrieben habe  und ... lösche sie. 

Dann sitze ich sinnend vor dem blinkenden Cursor, schlage mein Notizbuch auf, und überprüfe meinen Plot auf Schwachstellen. 

Eigentlich stimmt alles, der Plot und auch die Figurenblätter. Warum habe ich dann ein Loch und komme nicht weiter? 

Vielleicht sollte ich das mit dem Bistro und dem Block und Bleistift wirklich mal ausprobieren?Vielleicht küsst mich die Muse in einem Bistro eher, als zu Hause in meiner Schreibstube? 

In Frankreich gibt es jede Menge Bistros, sogar in meinem Dorf. Ich werde das mal ausprobieren und euch wieder berichten. Ich bin selbst gespannt, ob das funktioniert.

(Oktober 2015)



Das Haus

Groß und behäbig schaute es auf mich herab, als ich auf den Hof fuhr. So riesig hatte ich es mir nicht vorgestellt. 

Ich öffnete die Tür, die leise knarrte, und betrat die große Wohnküche. Trotz Spinngewebe und dickem Staub, war ich überwältigt, über das was ich sah. Küchenschränke mit handgeschnitzten Türen, in der Mitte ein Tisch mit einer Tischplatte, auf der noch Einkerbungen und schwarze Abdrücke von den gusseisernen Töpfen zu sehen waren. Wie viel Geschichten hatten sich in diesen Mauern wohl abgespielt?

 

Das zweihundertjährige Haus wurde von einem jungen Bauern und seiner Frau gebaut. Sie hatten das Stück Land von der Dorfgemeinde gekauft. Es bestand am Anfang nur aus zwei Zimmern. Eines in dem gekocht und gelebt wurde, das andere diente als Schlafkammer.

Wie alle Häuser in dieser Gegend, wurde es im typischen Dordogne-Stil erbaut. Die dicken Steinmauern dienten dazu, im Sommer die Hitze und im Winter die kalten Winde, die vom Meer her über das Land brausten, abzuhalten. Wiesen, auf denen Kühe und Schafe friedlich weideten, umrahmten das Haus. Mais und Korn wogten im Sommerwind. 

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Haus über Generationen hinweg zu seiner jetzigen Größe ausgebaut. 

Inzwischen bewirtschaftete ein Enkel der vierten Generation den Hof. Die schweren Landmaschinen erlaubten, dass die Arbeiten leichter von Hand gingen als früher. Trotzdem, sie erforderte immer noch viel körperlichen Einsatz. Die ganze Familie war, vor allem im Frühjahr, Sommer und Herbst von Sonnenaufgang bis zur Dämmerung auf den Feldern. 

Jahre verstrichen, die Kinder verließen das Land, es zog sie in die nahe Stadt mit ihren Attraktionen und der Bauer blieb mit seiner Frau allein zurück. Mühselig war nun die Arbeit auf den Feldern. Ihre Rücken waren gebeugt und ihre Hände mit Schwielen übersät. Trotz alledem waren sie zufrieden mit ihrem Leben und ihrer Zweisamkeit. 

Als die Frau des Bauern starb, verkaufte er das Haus an einen reichen Gutsherrn und zog zu seinen Kindern.

Das Haus wurde verschlossen. Nur die Mäuse raschelten durch die alten Gemäuer. Stattlich und erhaben thronte es in der Landschaft. 

Hin und wieder vermietete der Gutsherr das Haus an Leute, die ihre Ferien auf dem Land verbringen wollten. Die Fenster wurden geöffnet, die Sonne schien in die Zimmer und wärmte die Wände. 

Dann aber kamen keine Leute mehr. Es war nicht mehr modern, die Ferien auf dem Land zu verbringen. Die weite Welt zu erkunden, war nun angesagt. 

Die Jahre zogen über das Land. Regen und Wind fegten über das Dach und rüttelten an den Läden. Im Sommer brannten die Sonnenstrahlen auf die Mauern. Wilde Brombeeren umrankten das Haus und die Holztür des Stalles moderte vor sich hin. 

 

Ich stand immer noch wie betäubt in der Wohnküche. Dieses Haus will ich haben. Hier will ich mein Leben verbringen. Kurzentschlossen suchte ich den Gutsherrn auf. Schnell wurden wir handelseinig und per Handschlag der Kauf bestätigt. Etwas mulmig war mir zwar schon zumute, als ich in die Schweiz zurückfuhr. Ich, ein Stadtmensch durch und durch. Schnell wischte ich diesen Gedanken weg. Irgendwie werde ich es schon schaffen!

Heute lebe und arbeite ich in diesem Haus. Mein Traum ist Wirklichkeit geworden.